Lohnfertigung
Eine externe Bearbeitung von Halbfabrikaten ist in der Steuerung der Supply Chain oft ein schwarzes Loch. Die Philosophie des SAP ERP geht davon aus, dass ein Lohnbearbeiter alle Aktivitäten termingerecht durchführen kann. Aber auch ein Dienstleister hat begrenzte Kapazitäten, Aufträge aus dem eigenen Haus konkurrieren miteinander um diese Kapazitäten, es gibt Restriktionen bezüglich des Transportes u.ä.
Ausgangssituation
Einzelne Fertigungsstufen können durch Lohnbearbeiter realisiert werden. In Fällen einer kurzfristigen Reaktion auf Kundenwünsche werden immer dieselben Fragen gestellt:
- Hat der Dienstleister noch Kapazitäten für meinen Eilauftrag?
- Kann ich andere (für mich bestimmte) Produktionen verschieben oder reduzieren, um den Engpass zu entschärfen? Welche Konsequenzen hat das auf andere Kundenaufträge?
- Welcher Bestand von Beistellmaterialien ist beim Lohnbearbeiter vorhanden, damit umgehend mit der Fertigung begonnen werden kann?
- Gibt es eventuell die Möglichkeit zusätzliche Kapazitäten beim Lohnfertiger zu aktivieren? Welche Konsequenzen hat das?
- Gibt es die Möglichkeit die Fertigungsstufe zu einem anderen Dienstleister zu verlagern?
Es werden ähnliche Fragen wie bei der Planung der eigenen Fertigung gestellt. Die Disponenten setzen für die Planung der Eigenproduktion OR Soft Manufacturing Workbench ein, um schnell Handlungsalternativen zu simulieren und eine Lösung für eine kurzfristige Lieferanfrage zu erarbeiten. Bei der Lohnfertigung hingegen beschränkt man sich auf das Auslösen von Bestellungen, ohne sich um Details, wie freie Kapazitäten und Verfügbarkeit von Bestellmaterialien, zu kümmern. Warum nicht OR Soft Manufacturing Workbench für die Planung der Lohnbearbeitung nutzen?
Problembeschreibung
Das zu bearbeitende Planungsproblem lässt sich folgendermaßen beschreiben:
- Es wird mit einem Lohnbearbeiter ein Projekt vereinbart. Ein Projekt beinhaltet die Bereitstellung einer Fertigungstechnologie, mit der mehrere Bauteile oder -gruppen veredelt werden.
- Es sind Kapazitätsobergrenzen vereinbart. Ein- oder mehrschichtige Auslastung der Fertigungseinrichtungen führen u.U. zu gestaffelten Obergrenzen.
- Entsprechende Halbfabrikate zur Bearbeitung müssen dem Fertiger beigestellt werden. Es kann beim Dienstleister ein Bestand aufgebaut werden, um schnell reagieren zu können.
- Es existiert, z.B. aus Transportrestriktionen, ein fest definiertes Terminmuster zum Austausch von Bauteilen und Beistellmaterial.
- Ein Bauteil kann Bestandteil mehrerer Projekte sein, es kann alternativ bei unterschiedlichen Lohnbearbeitern veredelt werden.
Für jedes Projekt soll die Frage beantwortet werden, ob die einzelnen Bedarfe an externer Bearbeitungskapazität zeit- und mengengerecht befriedigt werden können.
Lösungsansatz
Für Lohnfertigungen lassen sich genauso Arbeitspläne erstellen wie für Eigenfabrikate. In OR Soft Manufacturing Workbench wird die Lohnbearbeitungsbestellung mit Arbeitsplan und Stückliste verknüpft. Dadurch entstehen kapazitätsrelevante "Fertigungsaufträge". Diese Fertigungsaufträge werden in einer Planungsmappe ausgewertet, in der auch alle Manipulationen an den Beschaffungselementen vorgenommen werden. Das System sorgt im Hintergrund dafür, dass die korrekten Transaktionen im SAP ERP ausgeführt werden.
Oberfläche
Im Bild wird in der oberen Tabelle ein Überblick über alle Projekte aufgezeigt. Neben den Stamminformationen eines Projektes sind wochenweise zusammengefasste Statusmeldungen sichtbar, wobei Ausnahmen als rote Kreuze dargestellt sind. Diese Meldungen signalisieren die Überschreitung der Wochenkapazität oder fehlende Beistellmaterialien. Um sich über die Ausnahmen zu informieren, stehen zwei Detaillierungsstufen zur Verfügung. In der ersten Stufe (mittleres Fenster im Bild) wird eine Verdichtung auf die einzelnen Liefertage durchgeführt. Von dem tageweise aggregierten Wert (im Bild, 2449 Stk. am Dienstag) kann man die zu Grunde liegenden Einzelelemente anzeigen (unteres Fenster im Bild). In diesen beiden Fenstern werden weitere Ausnahmemeldungen angezeigt und Handlungsanweisungen zur Behebung der Konflikte (z.B. Umterminierung) vorgeschlagen.




